Italien · Lombardei
Ist meine Miete in der Lombardei zu hoch?
Ob eine Miete zu hoch ist, entscheidet nicht das Gefühl und nicht der Vergleich mit dem Nachbarn, sondern die Frage, ob für diese Wohnung überhaupt eine gesetzliche Obergrenze gilt. Diese Frage kommt vor allen anderen.
Zuerst: Gilt für Ihre Wohnung überhaupt eine Obergrenze?
In den meisten Ländern gibt es keine Obergrenze für jede Wohnung, sondern nur für bestimmte Baujahre, bestimmte Vertragsarten oder bestimmte Gebiete. Fällt Ihre Wohnung nicht darunter, ist auch eine hohe Miete rechtlich zulässig, und jede weitere Prüfung führt ins Leere. Fällt sie darunter, steht der zulässige Betrag meist fest und ist nachrechenbar.
Wie sich der zulässige Betrag bildet
Steht fest, dass eine Grenze gilt, ergibt sich der Betrag aus einer Rechenregel, nicht aus einer Verhandlung. Sie unterscheidet sich von Land zu Land erheblich.
Der Ausgangswert
Fast alle Systeme starten bei einem amtlich festgesetzten Wert je Quadratmeter oder bei einer erhobenen ortsüblichen Miete. Dieser Wert wird regelmäßig neu festgesetzt, weshalb eine Prüfung immer den Wert braucht, der zum Zeitpunkt Ihres Vertragsschlusses galt.
Die Zuschläge und Abschläge
Auf den Ausgangswert kommen Korrekturen. Sie sind der Teil, über den in der Praxis am meisten gestritten wird, weil sie geschätzt und nicht gemessen werden. Drei Gruppen tragen fast den ganzen Streit.
Lage
Der größte einzelne Posten und der am schwersten prüfbare. Er soll abbilden, dass dieselbe Wohnung in zwei Straßen verschieden viel wert ist. Wer ihn prüfen will, braucht die übliche Höhe im selben Bezirk, nicht im ganzen Ort.
Zustand und Ausstattung
Bad, Heizung, Fenster und Böden. Hier lohnt der genaue Blick, weil ein Zuschlag für eine Ausstattung, die es nicht gibt oder die nicht funktioniert, der am leichtesten zu widerlegende ist.
Stockwerk, Aufzug und Freifläche
Sie wirken in beide Richtungen. Ein oberes Stockwerk ohne Aufzug führt in mehreren Rechtsordnungen zu einem Abschlag, nicht zu einem Zuschlag.
Der Abschlag für eine Befristung
Ist der Vertrag befristet, sehen mehrere Rechtsordnungen einen festen Abschlag vor. Er wird in der Praxis oft übersehen, und zwar von beiden Seiten.
Die Frist ist das eigentliche Risiko
Der häufigste Grund, warum eine überhöhte Miete nicht zurückkommt, ist nicht ein Rechtsfehler, sondern eine verpasste Frist. In manchen Ländern läuft sie ab Vertragsschluss, in anderen ab Übernahme der Wohnung, und sie ist teils kürzer als einen Monat. Wer prüft, sollte deshalb mit der Frist anfangen und nicht mit dem Betrag.
Was Sie dafür in der Hand haben müssen
Für eine belastbare Prüfung braucht es den Mietvertrag mit Datum, die genaue Wohnfläche, das Baujahr des Hauses, die Ausstattungsmerkmale und die letzte Betriebskostenabrechnung. Fehlt das Baujahr, ist meist schon die erste Frage nicht zu beantworten.
Was in der Region Lombardei gilt
Der Energieausweis wird hier nicht nach dem nationalen Verfahren ausgestellt, sondern nach dem eigenen der Region, und er wird in einem eigenen regionalen Kataster eingetragen. Erst mit dieser Eintragung wird er wirksam. Ein Ausweis, der nur nach dem nationalen Muster erstellt wurde, hilft beim Verkauf hier also nicht weiter.
Grundlage: Art. 10 des Regionalgesetzes der Lombardei 24/2014; das Register CENED wird für die Region geführt
Die Rechtslage in Italien
Wie sich die zulässige Miete bildet
Beim freien Vertrag (4+4 Jahre) gibt es keine gesetzliche Obergrenze. Beim canone concordato (3+2 Jahre) legt der accordo territoriale der Gemeinde das Stadtgebiet in Zonen ein und gibt je Zone eine Spanne in Euro je Quadratmeter vor; innerhalb dieser Bandbreite wird der Zins nach den Merkmalen des Gebäudes vereinbart. Der Vermieter bekommt dafür zwei getrennte Steuervorteile: die cedolare secca zu zehn Prozent, aber nur in Gemeinden mit hoher Wohnungsnachfrage, und eine um 25 Prozent ermäßigte IMU, landesweit für jeden registrierten concordato-Vertrag.
Ihre Frist und der Weg dorthin
Streit über die Höhe geht an das zuständige Gericht; die Mietergewerkschaften (SUNIA, SICET, UNIAT) prüfen den Vertrag gegen den accordo territoriale.
Was Sie dafür nachschlagen müssen
Ob die Gemeinde als comune ad alta tensione abitativa gilt, was nur für den Steuersatz der cedolare secca zählt, nicht für die IMU-Ermäßigung (Grundlage ist die Liste der delibera CIPE 87/2003, die trotz gesetzlicher Pflicht zur zweijährigen Überprüfung seit 2003 unverändert geblieben ist; sie umfasst alle Provinzhauptstädte und weitere Gemeinden), der geltende accordo territoriale und die Spanne je m² für die Zone der Adresse, sowie ob der konkrete Vertrag ein concordato ist. DER PRAKTISCHE HAKEN: Die Steuervorteile hängen an der attestazione del canone concordato, einer Bescheinigung einer der Verbände, die den örtlichen accordo unterschrieben haben. Sie bestätigt, dass die vereinbarte Miete in der Spanne liegt, muss VOR der Registrierung des Vertrags eingeholt werden und kostet üblicherweise 50 bis 150 Euro, nach anderen Quellen bis zu 200 Euro. Ohne sie kann die Finanzverwaltung die cedolare secca zu 10 Prozent und die um 25 Prozent ermäßigte IMU nachträglich versagen.
Grundlage: Legge 431/1998, Art. 2 comma 1 (canone libero) und Art. 2 comma 3 (canone concordato); Legge 208/2015, Art. 1 comma 53, für die landesweite IMU-Ermäßigung. Zuletzt am Gesetzestext geprüft: 2026-08-19.
Häufige Fragen
Kann ich zu viel gezahlte Miete zurückfordern?
In den Ländern mit gesetzlicher Obergrenze ja, aber nur innerhalb einer Frist und meist erst, nachdem Sie die überhöhte Miete förmlich beanstandet haben. Wie weit die Rückforderung zurückreicht, hängt davon ab, wie schnell Sie beanstandet haben.
Riskiere ich eine Kündigung, wenn ich die Miete beanstande?
Eine Kündigung als Antwort auf eine berechtigte Beanstandung ist in den hier behandelten Ländern nicht zulässig. Ein befristeter Vertrag läuft davon unabhängig aus, das ist keine Kündigung und auch keine Reaktion auf Ihre Beanstandung.
Brauche ich dafür einen Anwalt?
Für die Prüfung nicht. Für die Durchsetzung hängt es davon ab, ob im betreffenden Land zuerst eine Schlichtungsstelle angerufen werden muss. Wo es sie gibt, ist der Weg dorthin meist günstiger als der zum Gericht und teils vorgeschrieben.
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