Island · Thingvellir
Ist meine Miete in Thingvellir zu hoch?
Ob eine Miete zu hoch ist, entscheidet nicht das Gefühl und nicht der Vergleich mit dem Nachbarn, sondern die Frage, ob für diese Wohnung überhaupt eine gesetzliche Obergrenze gilt. Diese Frage kommt vor allen anderen.
Zuerst: Gilt für Ihre Wohnung überhaupt eine Obergrenze?
In den meisten Ländern gibt es keine Obergrenze für jede Wohnung, sondern nur für bestimmte Baujahre, bestimmte Vertragsarten oder bestimmte Gebiete. Fällt Ihre Wohnung nicht darunter, ist auch eine hohe Miete rechtlich zulässig, und jede weitere Prüfung führt ins Leere. Fällt sie darunter, steht der zulässige Betrag meist fest und ist nachrechenbar.
Wie sich der zulässige Betrag bildet
Steht fest, dass eine Grenze gilt, ergibt sich der Betrag aus einer Rechenregel, nicht aus einer Verhandlung. Sie unterscheidet sich von Land zu Land erheblich.
Der Ausgangswert
Fast alle Systeme starten bei einem amtlich festgesetzten Wert je Quadratmeter oder bei einer erhobenen ortsüblichen Miete. Dieser Wert wird regelmäßig neu festgesetzt, weshalb eine Prüfung immer den Wert braucht, der zum Zeitpunkt Ihres Vertragsschlusses galt.
Die Zuschläge und Abschläge
Auf den Ausgangswert kommen Korrekturen. Sie sind der Teil, über den in der Praxis am meisten gestritten wird, weil sie geschätzt und nicht gemessen werden. Drei Gruppen tragen fast den ganzen Streit.
Lage
Der größte einzelne Posten und der am schwersten prüfbare. Er soll abbilden, dass dieselbe Wohnung in zwei Straßen verschieden viel wert ist. Wer ihn prüfen will, braucht die übliche Höhe im selben Bezirk, nicht im ganzen Ort.
Zustand und Ausstattung
Bad, Heizung, Fenster und Böden. Hier lohnt der genaue Blick, weil ein Zuschlag für eine Ausstattung, die es nicht gibt oder die nicht funktioniert, der am leichtesten zu widerlegende ist.
Stockwerk, Aufzug und Freifläche
Sie wirken in beide Richtungen. Ein oberes Stockwerk ohne Aufzug führt in mehreren Rechtsordnungen zu einem Abschlag, nicht zu einem Zuschlag.
Der Abschlag für eine Befristung
Ist der Vertrag befristet, sehen mehrere Rechtsordnungen einen festen Abschlag vor. Er wird in der Praxis oft übersehen, und zwar von beiden Seiten.
Die Frist ist das eigentliche Risiko
Der häufigste Grund, warum eine überhöhte Miete nicht zurückkommt, ist nicht ein Rechtsfehler, sondern eine verpasste Frist. In manchen Ländern läuft sie ab Vertragsschluss, in anderen ab Übernahme der Wohnung, und sie ist teils kürzer als einen Monat. Wer prüft, sollte deshalb mit der Frist anfangen und nicht mit dem Betrag.
Was Sie dafür in der Hand haben müssen
Für eine belastbare Prüfung braucht es den Mietvertrag mit Datum, die genaue Wohnfläche, das Baujahr des Hauses, die Ausstattungsmerkmale und die letzte Betriebskostenabrechnung. Fehlt das Baujahr, ist meist schon die erste Frage nicht zu beantworten.
Was in der Stadt Thingvellir gilt
In Thingvellir darf niemand ohne vorherige schriftliche Zustimmung der Thingvellir-Kommission graben oder ein Bauwerk errichten. Das Verbot nennt ausdrücklich Hausbauten, Wegebau, das Verlegen von Strom- und Telefonleitungen, Bohrungen nach Wasser und die Entnahme von Bodenmaterial. Die zuständige Gemeinde darf eine Baugenehmigung erst danach ausstellen.
Grundlage: Verordnung Nr. 848/2005 über den Nationalpark Thingvellir, Art. 9
Rund um den zu Thingvellir gehörenden See Þingvallavatn gilt ein eigenes Schutzgebiet: Siedlungen, Gewerbeflächen und Massentierhaltung, die das Wasser oder die Tierwelt gefährden könnten, dürfen dort nicht geplant werden. Jede Bau- oder Projektgenehmigung in diesem Gebiet muss Auflagen zum Schutz der Tierwelt und der Wasserqualität enthalten, bei größeren Vorhaben ist zusätzlich die Umweltbehörde zu hören.
Grundlage: Verordnung Nr. 650/2006 über den Schutz von Þingvallavatn, Art. 4 und Art. 9
Die Rechtslage in Island
Wie sich die zulässige Miete bildet
Kein staatlicher Mietendeckel und keine gesetzliche Indexpflicht. Die Miethöhe ist frei vereinbar (37. gr. 1. mgr.), muss aber angemessen und billig gegenüber beiden Parteien sein. In befristeten Verträgen ist eine Änderung der Miethöhe in den ersten 12 Monaten unzulässig. Danach greifen drei Anpassungstatbestände: 37. gr. a (wesentliche Betriebskostensteigerung, nur der Vermieter kann sie verlangen), 37. gr. b (Abweichung von der Marktmiete nach oben ODER unten, jede Partei kann sie verlangen, also auch der Mieter bei überteuerter Miete), 37. gr. c (Angleichung im Bestand gemeinnütziger Vermieter).
Ihre Frist und der Weg dorthin
Der Mieter hat 30 Tage, um einer angekündigten Erhöhung nach 37. gr. a oder c zuzustimmen, sie vor der Kærunefnd húsamála (Schlichtungsausschuss für Wohnungsangelegenheiten) anzufechten, oder zu kündigen. Reagiert er nicht, gilt die Erhöhung als vereinbart.
Was Sie dafür nachschlagen müssen
Ob und wie verbreitet eine vertragliche Indexierung an den isländischen Verbraucherpreisindex tatsächlich vereinbart ist; das ist Marktpraxis, keine Gesetzesfrage.
Grundlage: 37. gr. Húsaleigulög nr. 36/1994, ergänzt durch 37. gr. a bis c (eingeführt L. 121/2022, L. 106/2024). Zuletzt am Gesetzestext geprüft: 2026-08-13.
Häufige Fragen
Kann ich zu viel gezahlte Miete zurückfordern?
In den Ländern mit gesetzlicher Obergrenze ja, aber nur innerhalb einer Frist und meist erst, nachdem Sie die überhöhte Miete förmlich beanstandet haben. Wie weit die Rückforderung zurückreicht, hängt davon ab, wie schnell Sie beanstandet haben.
Riskiere ich eine Kündigung, wenn ich die Miete beanstande?
Eine Kündigung als Antwort auf eine berechtigte Beanstandung ist in den hier behandelten Ländern nicht zulässig. Ein befristeter Vertrag läuft davon unabhängig aus, das ist keine Kündigung und auch keine Reaktion auf Ihre Beanstandung.
Brauche ich dafür einen Anwalt?
Für die Prüfung nicht. Für die Durchsetzung hängt es davon ab, ob im betreffenden Land zuerst eine Schlichtungsstelle angerufen werden muss. Wo es sie gibt, ist der Weg dorthin meist günstiger als der zum Gericht und teils vorgeschrieben.
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