Vereinigtes Königreich · England
Was Sie in England vor dem Kauf prüfen sollten
Nach der Unterschrift verschiebt sich die Beweislast. Vorher muss der Verkäufer offenlegen, nachher müssen Sie beweisen. Deshalb ist die Reihenfolge der Prüfung wichtiger als ihre Tiefe.
Was der Verkäufer von sich aus sagen muss
Jede der hier behandelten Rechtsordnungen kennt Umstände, die der Verkäufer ungefragt offenlegen muss. Verschweigt er einen davon, hilft ihm auch ein vereinbarter Haftungsausschluss nicht. Das ist der stärkste Hebel, den ein Käufer hat, und er wirkt nur, wenn man weiß, was auf diese Liste gehört.
Wie weit ein Haftungsausschluss trägt
Der Satz, gekauft werde wie besichtigt, steht in fast jedem Vertrag. Er deckt weniger ab, als die meisten annehmen.
Arglist
Wer einen Mangel kennt und verschweigt, kann sich auf keinen Ausschluss berufen. Das gilt in allen hier behandelten Ländern.
Zugesicherte Eigenschaften
Was der Verkäufer ausdrücklich zusagt, etwa eine Wohnfläche oder eine Nutzung als Wohnraum, bleibt trotz Ausschluss verbindlich.
Die Unterlagen, deren Fehlen etwas bedeutet
Manche Unterlagen fehlen aus Nachlässigkeit, andere fehlen aus einem Grund. Eine Baugenehmigung, die niemand findet, eine Nutzungsbewilligung, die es nicht gibt, ein Protokoll der Eigentümerversammlung, das nicht herausgegeben wird: In diesen drei Fällen ist das Fehlen selbst der Befund.
Die Lasten, die nicht im Exposé stehen
Wegerechte, Wohnrechte auf Lebenszeit, Vorkaufsrechte einer Gemeinde und Altlastenverdacht stehen in Registern, nicht in der Anzeige. Sie mindern den Wert und schränken die Nutzung ein, und sie gehen auf den Käufer über.
Was im Land England gilt
Eine Eigentumswohnung in England wird in aller Regel nicht als Volleigentum gehalten, sondern als long leasehold, ein zeitlich befristetes Nutzungsrecht vom Grundeigentümer (freeholder), meist verbunden mit einer laufenden ground rent. Die Restlaufzeit ist für den Käufer die entscheidende Zahl: Sinkt sie unter achtzig Jahre, darf der Freeholder bei einer Verlängerung zusätzlich den halben „marriage value“ verlangen, wodurch sich der Preis der Verlängerung deutlich erhöht, und Banken vergeben für so kurze Restlaufzeiten oft ungern eine Hypothek. Der Leasehold and Freehold Reform Act 2024 hat den Neubau von Leasehold-Einfamilienhäusern in England bereits verboten; für Eigentumswohnungen bleibt Leasehold vorerst der Regelfall, eine weitergehende Reform befindet sich in Vorbereitung, ist aber noch nicht in Kraft.
Grundlage: Leasehold and Freehold Reform Act 2024 (Verbot neuer Leasehold-Einfamilienhäuser); zur Achtzig-Jahre-Schwelle und dem marriage value: etablierte Bewertungspraxis bei Leasehold-Verlängerungen in England
Die Rechtslage im Vereinigten Königreich
Wie lange der Verkäufer haftet
In England und Wales haftet ein privater Verkäufer grundsätzlich NICHT für versteckte Mängel. Es gilt der Grundsatz „caveat emptor“: der Käufer muss selbst prüfen. Nur wenn der Verkäufer im Fragebogen gelogen hat, können Sie klagen. Der Verkäufer muss zwar nichts von sich aus offenlegen, darf aber auch keine halbe Wahrheit sagen: Eine Angabe, die für sich genommen stimmt, aber durch das Weglassen einen falschen Eindruck erzeugt, ist eine Falschangabe. Dieser Fragebogen ist deshalb die entscheidende Stelle, und er ist NEU: Seit dem 30.03.2026 ist die sechste Auflage des TA6 Property Information Form für Kanzleien im Conveyancing Quality Scheme (CQS) bei neuen Mandaten ab diesem Datum verpflichtend. Sie fragt mehr ab als die vorherige, und jede Antwort darin kann später eine Haftung wegen misrepresentation begründen.
Bis wann ein Mangel gemeldet sein muss
Keine gesetzliche Meldefrist. Eine Klage wegen falscher Angaben müssen Sie im Regelfall binnen sechs Jahren erheben (Limitation Act 1980, s. 2 und s. 5). Bei Betrug oder bewusstem Verbergen läuft die Frist nach s. 32 erst ab dem Tag, an dem Sie es entdeckt haben oder mit angemessener Sorgfalt hätten entdecken können.
Wie weit ein Haftungsausschluss trägt
Der Ausschluss ist der Normalfall, denn Sie tragen die Mängel ohnehin selbst. Eine Klausel, die sogar die Haftung für Falschauskünfte ausschließen will, wirkt nur, wenn sie fair und angemessen ist.
Wann der Ausschluss nicht trägt
Der Verkäufer ist nicht geschützt, wenn er im Fragebogen zur Immobilie (TA6) wissentlich falsch geantwortet oder Wichtiges verschwiegen hat. Sie müssen beweisen, dass die Angabe falsch war, dass Sie sich darauf verlassen haben und dass er es wusste.
Was Sie verlangen können
Bei erwiesener Falschauskunft Rückabwicklung und Schadenersatz. Das Gericht kann statt der Rückabwicklung auch nur Schadenersatz zusprechen. Eine Reihenfolge mit Nachbesserung wie in Deutschland gibt es hier nicht.
Grundlage: Caveat emptor (Common Law); Misrepresentation Act 1967 s.2; Limitation Act 1980 s.2 und s.32. Zuletzt am Gesetzestext geprüft: 2026-08-17.
Häufige Fragen
Reicht eine Besichtigung, um Mängel zu erkennen?
Für sichtbare Mängel ja, und genau deshalb haftet der Verkäufer für sie meist nicht. Die teuren Fälle betreffen das, was man nicht sieht: Feuchtigkeit hinter Verkleidung, fehlende Genehmigungen, beschlossene Sonderumlagen.
Was, wenn die Fläche im Vertrag nicht stimmt?
Ob eine Abweichung einen Anspruch auslöst, hängt davon ab, ob die Fläche zugesichert oder nur beschrieben war, und wie groß die Abweichung ist. Die Schwelle ist je nach Land verschieden.
Kann ich nach der Unterschrift noch zurück?
Nur in engen Grenzen. Deshalb gehört jede Prüfung vor die Unterschrift, und deshalb ist eine Frist zwischen Entwurf und Beurkundung wertvoller als jede Zusicherung danach.
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