Norwegen · Svalbard
Die Eigentümergemeinschaft auf Svalbard prüfen
Wer eine Eigentumswohnung kauft, kauft zwei Dinge: die Wohnung und einen Anteil an einer Gemeinschaft samt ihrer Vorgeschichte. Das zweite steht in keinem Exposé.
Was Sie außer der Wohnung noch erwerben
Sie treten in eine bestehende Gemeinschaft ein, mit allen Beschlüssen, die vor Ihnen gefasst wurden. Eine beschlossene, aber noch nicht bezahlte Sanierung wird zu Ihrer Zahlungspflicht, auch wenn der Beschluss Jahre vor Ihrem Kauf gefasst wurde.
Die drei Papiere, die den Unterschied machen
Nicht das Exposé entscheidet, sondern drei Unterlagen, die Sie ausdrücklich verlangen müssen. Bekommen Sie sie nicht, ist das selbst der Befund.
Die Protokolle der letzten Jahre
Darin steht, worüber gestritten wurde, was beschlossen und was vertagt wurde. Ein mehrfach vertagtes Dach ist ein Dach, das kaputt ist und für das niemand zahlen will.
Der Wirtschaftsplan
Er zeigt, was laufend zu zahlen ist und wie es sich verteilt. Vergleichen Sie den Betrag mit dem, was im Exposé als monatliche Belastung steht.
Der Stand der Rücklage
Eine dünne Rücklage bei einem alten Haus heißt: Die nächste größere Reparatur kommt als Sonderumlage, und die trifft den, der dann Eigentümer ist.
Woran Sie eine schlecht geführte Gemeinschaft erkennen
An drei Zeichen: Protokolle, die nicht herausgegeben werden. Eine Verwaltung, die seit Jahren nicht bestätigt wurde. Und eine monatliche Vorschreibung, die seit Jahren nicht gestiegen ist, obwohl alle Kosten gestiegen sind.
Was in der Region Svalbard gilt
Svalbard gehört zu Norwegen, aber der Spitzbergenvertrag von 1920, in Kraft seit dem 14.08.1925, verpflichtet Norwegen in Art. 7, allen Staatsangehörigen der inzwischen 44 Vertragsstaaten beim Erwerb, der Nutzung und der Ausübung von Eigentumsrechten vollständige Gleichbehandlung mit norwegischen Staatsbürgern zu gewähren. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören zu diesen Vertragsstaaten. Anders als im übrigen Norwegen gibt es auf Svalbard deshalb keine Sonderregeln für ausländische Käufer. Nur bleibt wenig zu kaufen: 99,5 Prozent der Fläche gehören dem norwegischen Staat als Statsgrunn.
Grundlage: Traktat 9. Februar 1920 angående Spitsbergen (Svalbardtraktaten), Art. 7
Auf dem norwegischen Festland braucht der Erwerb größerer landwirtschaftlicher Grundstücke eine behördliche Konzession nach der Konsesjonsloven, für die in der Regel norwegische Staatsbürgerschaft oder mindestens fünf Jahre Wohnsitz in Norwegen vorausgesetzt werden. Diese Beschränkung kennt Svalbard wegen der Gleichbehandlungspflicht aus dem Vertrag nicht. Wer trotzdem privates Grundeigentum auf Svalbard sucht, findet fast nichts: Ein norwegisches Privatunternehmen besitzt noch 0,1 Prozent der Fläche, die einzige verbliebene Liegenschaft dieser Art, ein russisches Staatsunternehmen weitere 0,4 Prozent. Ein Grundstückskauf auf Svalbard ist deshalb eine seltene Ausnahme, kein gewöhnlicher Immobilienmarkt.
Grundlage: Konsesjonsloven (Lov om konsesjon ved erverv av fast eiendom mv.); Eigentumsverteilung nach Store norske leksikon, Statsgrunn mit Grundbuchsnummer 1
Die Rechtslage in Norwegen
Wie das Eigentum hier aufgeteilt ist
Zwei Formen sind zu unterscheiden: die eierseksjon ist echtes Sondereigentum mit Grundbucheintrag, das borettslag dagegen ein Anteil an einer Genossenschaft, der das Gebäude gehört.
Die Gemeinschaft und ihre Beschlüsse
Im eierseksjonssameie beschließen die Eigentümer gemeinsam; im borettslag führt ein styre den Verein, oft mit einem Verwalter.
Was laufend zu zahlen ist
Gezahlt werden felleskostnader. Im borettslag steckt darin auch der Anteil an der fellesgjeld, der Gemeinschaftsschuld des Vereins.
Das Risiko, das auf den Erwerber übergeht
Bei der eierseksjon ist es wie beim Hauskauf. Beim borettslag ist die fellesgjeld entscheidend: Ein niedriger Kaufpreis kann eine hohe anteilige Gemeinschaftsschuld verbergen, die über die felleskostnader mitgezahlt wird. FÜR RÜCKSTÄNDE GILT IN BEIDEN FORMEN DASSELBE: Die Gemeinschaft hat ein gesetzliches Pfandrecht an der Einheit (legalpant, § 31 eierseksjonsloven, entsprechend in der burettslagslova). Es sichert die Forderungen aus dem Gemeinschaftsverhältnis und wirkt gegen die Einheit, also auch gegen einen neuen Eigentümer. ES HAT ABER EINE HARTE OBERGRENZE, und das ist die für den Käufer wichtigste Zahl: höchstens zwei Grundbeträge der staatlichen Sozialversicherung (2G) je Nutzungseinheit. Das Grunnbeløp wird jährlich zum 1. Mai angepasst, der aktuelle Wert ist deshalb nachzuschlagen. Über diese Grenze hinaus erreicht den Käufer nichts. Uneinheitlich beurteilt wird, ob das Pfandrecht nur die bei Einleitung der Zwangsverwertung bereits fälligen Kosten deckt oder auch die, die während des Verfahrens auflaufen; ein Beschluss des Ankeutvalget legt die engere Lesart nahe, das Ministerium die weitere. Der Käufer sollte die fellesgjeld und die felleskostnader prüfen. RECHERCHEUMFANG: über norwegische Fachquellen zu § 31 eierseksjonsloven geprüft, nicht am Gesetzeswortlaut selbst; der aktuelle Betrag von G wurde nicht ermittelt.
Grundlage: Wohnungseigentum Norwegen. Zuletzt am Gesetzestext geprüft: 2026-08-19.
Häufige Fragen
Muss der Verkäufer mir die Protokolle geben?
Er muss aufklären, was für Ihre Entscheidung wesentlich ist, und eine beschlossene Sonderumlage gehört dazu. Die Protokolle selbst bekommen Sie über ihn oder über die Verwaltung. Weigert er sich, ist das ein Grund, nicht zu unterschreiben.
Hafte ich für Rückstände des Voreigentümers?
Das ist je nach Land verschieden geregelt und einer der teuersten Unterschiede überhaupt. In manchen Rechtsordnungen haftet die Wohnung selbst für offene Beiträge, unabhängig davon, wer sie verursacht hat.
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