Frankreich · Elsass-Moselle
Kaufnebenkosten im Elsass-Moselle
Die Nebenkosten entscheiden mit darüber, ob eine Finanzierung aufgeht, denn sie sind in der Regel nicht beleihbar und müssen aus Eigenkapital kommen.
Die Posten, die feststehen
Ein Teil der Nebenkosten ist gesetzlich festgelegt oder folgt einem amtlichen Tarif. Über diesen Teil lässt sich nicht verhandeln, er lässt sich nur genau berechnen. Dazu gehören je nach Land die Steuer auf den Erwerb, die Eintragung im Register und die Gebühr der beurkundenden Stelle.
Die Posten, über die verhandelt wird
Der andere Teil ist frei vereinbart, allen voran die Vergütung des Vermittlers. Wer sie trägt und in welchem Verhältnis, ist in mehreren Ländern in den letzten Jahren geändert worden.
Die Vergütung des Vermittlers
Sie ist der größte verhandelbare Posten. Mehrere Länder haben in den letzten Jahren festgelegt, dass sie zu teilen ist oder dass sie zahlt, wer den Vermittler beauftragt hat. Wer den Vertrag vor der Besichtigung liest, weiß, welche Fassung für ihn gilt.
Die Kosten der Finanzierung
Schätzkosten, Bereitstellungszinsen und die Eintragung der Sicherheit gehören zum Kauf, tauchen aber in keiner Nebenkostenübersicht des Vermittlers auf. Sie gehören trotzdem in die Rechnung, bevor eine Zusage gegeben wird.
Warum die regionale Ebene zählt
Mehrere Länder überlassen den Steuersatz der Region. Derselbe Kaufpreis kostet dann in zwei Regionen unterschiedlich viel Steuer, und der Unterschied ist groß genug, um eine Finanzierung zu kippen.
Was gern vergessen wird
Neben den vier großen Posten fallen regelmäßig an: die Kosten für die Löschung alter Eintragungen des Verkäufers, die Gebühr für die Eintragung der Finanzierung und, bei Wohnungen, die anteilige Zuführung zur Rücklage.
Was in der Region Elsass-Moselle gilt
In Elsass-Moselle, also den Departements Bas-Rhin, Haut-Rhin und Moselle, gilt für den Grundstücksnachweis nicht das sonst landesweite französische System der publicité foncière, sondern ein eigenes Grundbuch (livre foncier). Es stammt aus der deutschen Zeit und wurde beim Rückfall an Frankreich 1924 bewusst beibehalten, weil es als verlässlicher galt. Ein eigener Grundbuchrichter prüft jede Eintragung, und das Register hält Dienstbarkeiten, Hypotheken und andere dingliche Rechte detaillierter fest als das Kataster im übrigen Land.
Grundlage: Loi du 1er juin 1924 mettant en vigueur la législation civile française dans les départements du Bas-Rhin, du Haut-Rhin et de la Moselle, Titre II (droit local, livre foncier)
Die Rechtslage in Frankreich
Worauf gerechnet wird
Gerechnet wird auf den Kaufpreis. Was in Frankreich umgangssprachlich frais de notaire heißt, sind zu über 80 Prozent Steuern und nicht das Honorar des Notars. Diese Verwechslung führt zu falschen Erwartungen.
Die einzelnen Posten
Droits de mutation à titre onéreux (DMTO) (gesetzlich fest): Zusammengesetzt aus dem Satz des département, dem kommunalen Anteil von 1,20 Prozent und einer Erhebungsgebühr auf den Departementsanteil. Der Regelsatz des département von 4,50 Prozent ergibt zusammen 5,80 Prozent. Seit 2025 dürfen die départements auf 5,00 Prozent erhöhen, was zusammen rund 6,32 Prozent ergibt; mittlerweile haben rund drei Viertel der départements davon Gebrauch gemacht (73 von rund 96 laut den Conseils départementaux, Stand Juli 2026), Beschlüsse nach dem 15.04.2025 wirken erst ab dem 01.01.2026. Émoluments du notaire (amtlicher Tarif): Das Honorar folgt einem gesetzlich festgelegten degressiven Tarif: 3,870 Prozent bis 6.500 Euro, 1,596 Prozent bis 17.000 Euro, 1,064 Prozent bis 60.000 Euro und 0,799 Prozent darüber, jeweils netto. Über dem Betrag von 100.000 Euro darf der Notar einen Nachlass von bis zu 20 Prozent gewähren, sonst ist der Tarif zwingend. Effektiv sind es rund 0,8 bis 1,3 Prozent des Kaufpreises. Honoraires d'agence (frei vereinbar): Beim KAUF ist die Provision frei, markttypisch 3 bis 6 Prozent, und sie muss im Inserat mit dem Hinweis ausgewiesen sein, ob sie im Preis enthalten ist. Achtung auf den Unterschied zur MIETE: dort sind die Kosten des Mieters durch Art. 5 Loi 89-462 und das Décret 2014-890 gedeckelt, je Quadratmeter und Zone. Beim Kauf gibt es diesen Deckel nicht.
Umsatzsteuer beim Erwerb
Bestand: keine Umsatzsteuer, dafür DMTO (Art. 261 Abs. 5 Nr. 2 CGI). Neubau oder Verkauf innerhalb von fünf Jahren nach Fertigstellung durch einen Unternehmer: 20 Prozent TVA im Preis, dafür reduzierte Erwerbskosten von rund 2 bis 3 Prozent statt 5,80 Prozent. Der Neubau ist bei den Nebenkosten also deutlich günstiger.
Grundlage: Kaufnebenkosten Frankreich. Zuletzt am Gesetzestext geprüft: 2026-07-26.
Häufige Fragen
Kann ich die Nebenkosten mitfinanzieren?
Die meisten Banken finanzieren nur den Kaufpreis, weil die Nebenkosten keinen beleihbaren Gegenwert schaffen. Sie sind deshalb der Teil, der aus Eigenkapital kommen muss.
Lässt sich die Steuer auf den Erwerb senken?
In engen Grenzen, etwa indem bewegliches Zubehör im Vertrag getrennt ausgewiesen wird, soweit das der Wahrheit entspricht. Ein zu hoch angesetzter Anteil fällt bei einer Prüfung auf und kostet mehr, als er spart.
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