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Island · Thingvellir

Einen Bau ohne Genehmigung in Thingvellir erkennen

Der Beseitigungsauftrag trifft nicht den, der gebaut hat, sondern den, dem das Gebäude gehört. Nach dem Kauf sind das Sie.

Die Probe, die zehn Minuten dauert

Legen Sie den genehmigten Plan neben das, was Sie sehen. Ein Wintergarten, ein ausgebautes Dachgeschoss, eine überdachte Terrasse, eine zusätzliche Wohneinheit im Keller: Wenn es im Plan fehlt, ist die Frage nicht, ob es schön ist, sondern ob es genehmigt war.

Was ohne Genehmigung droht

Die Behörde kann die Nutzung untersagen und den Rückbau anordnen. Ob sie das nach Jahren noch darf, ist je nach Land verschieden, und das ist der wichtigste Unterschied überhaupt.

Wo die Verfolgung nicht endet

Dann bleibt das Risiko dauerhaft am Gebäude hängen, unabhängig davon, wie lange der Bau schon steht und wie viele Eigentümer es seither gab.

Wo eine Frist läuft

Nach ihrem Ablauf kann nicht mehr eingeschritten werden. Und hier der häufigste Irrtum: Der Bau wird dadurch nicht rechtmäßig, er wird nur geduldet. Für eine Bank und für den nächsten Käufer bleibt er ein Mangel.

Warum das die Finanzierung berührt

Eine Bank bewertet, was genehmigt ist. Fläche, die es rechtlich nicht gibt, zählt nicht mit. Wer für 120 Quadratmeter finanziert und nur 90 genehmigt sind, bekommt weniger Kredit, als er gerechnet hat.

Was in der Stadt Thingvellir gilt

In Thingvellir darf niemand ohne vorherige schriftliche Zustimmung der Thingvellir-Kommission graben oder ein Bauwerk errichten. Das Verbot nennt ausdrücklich Hausbauten, Wegebau, das Verlegen von Strom- und Telefonleitungen, Bohrungen nach Wasser und die Entnahme von Bodenmaterial. Die zuständige Gemeinde darf eine Baugenehmigung erst danach ausstellen.

Grundlage: Verordnung Nr. 848/2005 über den Nationalpark Thingvellir, Art. 9

Rund um den zu Thingvellir gehörenden See Þingvallavatn gilt ein eigenes Schutzgebiet: Siedlungen, Gewerbeflächen und Massentierhaltung, die das Wasser oder die Tierwelt gefährden könnten, dürfen dort nicht geplant werden. Jede Bau- oder Projektgenehmigung in diesem Gebiet muss Auflagen zum Schutz der Tierwelt und der Wasserqualität enthalten, bei größeren Vorhaben ist zusätzlich die Umweltbehörde zu hören.

Grundlage: Verordnung Nr. 650/2006 über den Schutz von Þingvallavatn, Art. 4 und Art. 9

Die Rechtslage in Island

Wann eine Genehmigung nötig ist

Genehmigungspflicht nach 9. gr. Lög um mannvirki nr. 160/2010 (Mannvirkjalög) für Aushub, Errichtung, Abbruch, Versetzen, Änderung von Tragwerk oder Leitungssystemen sowie Nutzungs-, Aussehens- oder Formänderung, erteilt vom byggingarfulltrúi der Gemeinde (Sonderfälle bei der staatlichen HMS). Erteilungsvoraussetzungen u. a. Übereinstimmung mit dem Flächenwidmungsplan, bezahlte Gebühren, unterschriebene Haftungserklärung des Bauleiters (13. gr., paraphrasiert). Die Genehmigung erlischt, wenn die Arbeiten nicht binnen 12 Monaten beginnen (14. gr.). Kleinbauten bis 15 m² und 2,5 m Firsthöhe sind genehmigungsfrei (2.3.5. gr. Byggingarreglugerð nr. 112/2012), näher als 3,0 m zur Nachbarparzelle nur mit dessen Zustimmung.

Was bei einem Bau ohne Genehmigung droht

Bei einer ungenehmigten Baumaßnahme, im Gesetzestext nicht mit einem eigenen Begriff belegt, in Praxis und Rechtsprechung aber óleyfisframkvæmd genannt, kann die Behörde die Bauarbeiten sofort einstellen und das Bauwerk schließen lassen (55. gr. Abs. 1). Sie kann außerdem verlangen, dass das rechtswidrige Bauwerk beseitigt, das Gelände wiederhergestellt oder die Nutzung eingestellt wird; kommt der Eigentümer dem nicht nach, lässt die Behörde die Arbeiten auf dessen Kosten ausführen (55. gr. Abs. 2 und 4). Gemeinde oder Staat erhalten dafür einen Kostenersatzanspruch UND ein gesetzliches Pfandrecht am Bauwerk, am Baumaterial und am Grundstück selbst (55. gr. Abs. 5). Nach 56. gr. drohen zusätzlich tägliche Zwangsgelder bis 500.000 Kronen. Diese Beseitigungs- und Zwangsgeldpflicht trifft den jeweils AKTUELLEN Eigentümer, unabhängig vom ursprünglichen Bauherrn: In einem Fall aus Reykjavík musste der Eigentümer von 2019 für ein 1946 ungenehmigt errichtetes Nebengebäude einstehen, nicht der längst nicht mehr lebende damalige Bauherr. Eine im Gesetz klar geregelte Verjährungsfrist für genau diese Beseitigungsbefugnis gibt es nicht sicher: Die Beschwerdeinstanz UUA hob im September 2025 dennoch eine Abrissverfügung für ebendieses Nebengebäude auf, mit der Begründung, die Behörden seien jahrzehntelang untätig geblieben, eine Verhältnismäßigkeitsprüfung im Einzelfall statt einer festen Frist. Eine nachträgliche Legalisierung ist im Gesetz nicht ausdrücklich vorgesehen. Für die ungenehmigte Handlung selbst drohen nach 57. gr. a Verwaltungsstrafen von 10.000 bis 10.000.000 Kronen gegen Einzelpersonen, nach 58. gr. zusätzlich Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.

Grundlage: Baurecht Island. Zuletzt am Gesetzestext geprüft: 2026-08-19.

Häufige Fragen

Kann ich das nachträglich genehmigen lassen?

Oft ja, aber es dauert und es kostet, und es geht nur, wenn der Bau nach heutigem Recht überhaupt zulässig wäre. Ist er es nicht, bleibt nur der Rückbau.

Haftet der Verkäufer dafür?

Wenn er es wusste und verschwiegen hat, ja, und daran ändert auch ein vereinbarter Haftungsausschluss nichts. Das Problem ist der Nachweis. Deshalb gehört die Prüfung vor die Unterschrift und nicht danach.

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